SOPHIE WOLF - FREELANCE CREATIVE
Corpus Feminae
Ein Kunstprojekt, das traditionelle Formen religiöser Verehrung aufgreift, die historisch im katholischen, patriarchal geprägten Umfeld verankert sind und diese in einen feministischen Kontext von Heute überführt.

Ausgangspunkt sind Klosterarbeiten, deren sakrale Ästhetik aufgegriffen wird: Material, Ornament, Symmetrie, Rahmung. Die Bildsprache, die historisch an religiöse Autorität gebunden ist, wird aus diesem Kontext gelöst und neu aufgeladen. Was bei Klosterarbeiten der Verehrung von Heiligen diente, wird zu einem Raum für weibliche Erfahrung, Erinnerung und Widerstand.
​Die Namen im Inneren des Rahmens stehen stellvertretend für Leben, die durch patriarchale Gewalt beendet wurden und deren Geschichten allzu oft schnell aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwinden.
Der Schriftzug „Ni Una Menos“ („Nicht eine weniger“) geht auf eine feministische Protestbewegung aus Lateinamerika zurück. Die Parole entstand ursprünglich in Argentinien als Reaktion auf die hohe Zahl an Feminiziden und wurde 2015 zum Namen einer großen Bewegung gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Seitdem steht „Ni Una Menos“ weltweit für die Forderung, dass keine Frau mehr durch patriarchale Gewalt sterben darf.
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Hintergründe, aktuelle Fälle und Informationen zum Engagement gegen Feminizide finden sich auf dem Instagram Account Femizide Stoppen.


Alte Reliquienkapsel
Diese klassische Reliquienkapsel (Beispiel rechts)*, aus dem Bestand meiner Großmutter, ist ein kleines ovales Andachtsobjekt aus der katholischen Tradition. Die Reliquie ist auf einem Seidenhintergrund befestigt und mit goldschnittigen Papierrollen und Silberfäden dekoriert. Auf einem Etikett steht auf: S. Sebastiani M. (Heiliger Sebastian Märtyrer).
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*Eine Reliquie (lateinisch reliquiae = „Überbleibsel“) ist ein Gegenstand oder Körperteil eines Heiligen, Märtyrers oder religiösen Führers, der verehrt wird. Sie dienen im Christentum und anderen Religionen als Verbindung zum Heiligen. Reliquien werden oft in kostbaren Behältnissen, sogenannten Reliquiaren, aufbewahrt.

Klosterarbeiten sind Objekte religiöser Andacht, die seit dem 15. Jahrhundert vor allem in Frauenklöstern entstanden und im 17. und 18. Jahrhundert ihre Blütezeit erreichten. Gefertigt wurden sie von Nonnen, deren Handlungsspielräume innerhalb der katholischen Kirche stark eingeschränkt waren. Während Männer predigten, studierten und kirchliche Macht ausübten, blieb Frauen hinter Klostermauern vor allem die Handarbeit.
Kleine Ironie am Rande der Geschichte: Heute gilt ausgerechnet ein Mann als bekanntester Vertreter dieser Praxis. Eine Tradition, die historisch von Frauen getragen wurde, wird also wieder einmal durch eine männliche Figur sichtbar gemacht. *¹
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*¹ Quelle: losterarbeiten aus dem Bodenseeraum, Publikation zur Ausstellung Historisches Museum St. Gallen, 11. Januar bis 23. Februar 1986; Kartause Ittingen, Warth/TG, 16. März bis 1. Juni 1986; Heimatmuseum Insel Reichenau, Reichenau-Mittelzell, 16. Juni bis 31. August 1986; Vorarlberger Landesmuseum, Bregenz, 20. September bis 16. November 1986).

Corpus Feminae Kapsel
Im Zentrum befindet sich keine religiöse Reliquie, sondern ein eingerollter Papierstreifen mit einem feministischen Zitat. Der Innenraum ist mit filigranen Ornamenten aus traditionellen goldschnittigen Papierstreifen gestaltet.
Durch diese bewusste Verschiebung wird die sakrale Bildsprache der Reliquienverehrung gebrochen und in einen feministischen Kontext überführt. ​​​
Der nächste Corpus Feminae Drop erfolgt demnächst. Da jede Arbeit in aufwendiger Handarbeit gefertigt wird und viele Stunden präziser Arbeit erfordert, entstehen nur wenige Stücke gleichzeitig. Neue Arbeiten werden daher in unregelmäßigen Abständen veröffentlicht. Wenn du über den nächsten Drop informiert werden möchtest, folge Corpus Feminae auf Instagram.